Bericht über die NEUROORTHO-Jahrestagung 2025 in München
Neuroortho News Blog
Unter den Jahresthemen „Obere Extremität – GMFCS III – Interdisziplinäre Innovationen in Diagnostik und Therapie“ traf sich die Internationale Vereinigung für Neuroorthopädie am 21.–22. November 2025 im Klinikum Dritter Orden in München. Im Fokus stand in diesem Jahr die Verbindung aus funktionsorientierten Assessments, innovativen Therapieansätzen, technologischer Weiterentwicklung und einer gemeinsamen klinischen Sprache über Berufsgruppen hinweg.
Begrüßt wurden die Teilnehmer*Innen von Prof. Dr. Reinald Brunner und Dr. Nina Berger, die die Notwendigkeit betonten, diagnostische Informationen nicht nur zu erheben, sondern gemeinsam zu interpretieren, um Behandlungsindikationen transparent und patientenorientiert zu stellen und umzusetzen.
Freitag, 21. November 2025 – Interdisziplinäre Sitzung – Obere Extremität und „Out-of-the-box“
Inklusives Gaming & eSports – Michael Mohr
Michael Mohr stellte die Potenziale von Gaming-Anwendungen für Motivation, kognitive Aktivierung und feinmotorische Prozesse vor. Der Eröffnungsvortrag enthielt wichtige Impulse zu Fragen der digital unterstützten Teilhabemöglichkeiten.
Out of the Box Therapie für die obere Extremität – Jan Lieber MSc. & Dr. Rob Labruyère
Lieber und Labruyère überzeugten mit einer klar strukturierten, fachlich präzisen und humorvollen Präsentation innovativer Therapieansätze für die obere Extremität. Nach detaillierter Vorstellung der neuen technischen Möglichkeiten zeigten sie in der wissenschaftlichen Bewertung unter anderem, dass die Effekte der eingesetzten Robotik direkt mit der Expertise der Therapeut*Innen in Zusammenhang stehen.
OP-Techniken für die obere Extremität – Dr. Nicola Ebert
Der aufgezeichnet präsentierte Vortrag beeindruckte durch fachliche Tiefe, chirurgische Präzision und neue, bisher in der Community noch recht unbekannte OP-Verfahren, die zu lebhafter Diskussion der Teilnehmer führten.
Both Hands Assessment – Dr. rer. medic. Caroline Hartl-Adler
Frau Dr. Hartl-Adler präsentierte im Forum ein sehr praxisnahes, strukturiertes Instrument zur Erfassung der bimanuellen Performanz mit hoher Relevanz für Therapie- und Hilfsmittelplanung. Für eine schnelle Übersicht eignen sich aber alle Handfunktionstests kaum, sie sind sehr zeitaufwändig.
Festabend
Beim rauschenden Festabend bewiesen die Teilnehmer ihre intensive Diskussionsfreudigkeit und feierten zum Teil bis tief in die Nacht hinein.
Samstag, 22. November 2025 – GMFCS III – Fallbeispiele, Therapie & Hilfsmittelversorgung sowie „Out-of-the-box“
Der zweite Tag der Jahrestagung war stark von praxisnahen Alltagsbeispielen aus der Therapie und der Versorgung neuroorthopädischer Patient*Innen geprägt. Mit zahlreichen Videobeispielen, gezielt auf unterschiedliche Altersgruppen gerichtet, konnte ein breites Spektrum der praktischen Umsetzung der Fachexpertise in unserem Arbeitsgebiet aufgezeigt werden. Es entstanden gerade im Bereich der Versorgungsmöglichkeiten intensive Diskussionen. Bei allen Beispielen kommt unterschwellig immer wieder Angst ins Spiel. Es scheint, dass wir diesem Problem mehr Gewicht geben sollten. Wegtrainieren lässt sie sich nicht so einfach.
Physiotherapeutische Behandlungsbeispiele Kleinkind GMFCS III – Ulrike Stuhlfelder MSc.
Die Präsentation von Frau Stuhlfelder erläuterte spannende biomechanische Grundlagen im Säuglingsalter und zeigte darauf aufbauend anwendungsbezogene und umsetzungsorientiere Behandlungsbeispiele bei jugendlichen Kindern mit GMFCS III. Diese Perspektive eröffnete Raum für weiterführende Überlegungen zur Therapie im Kleinkindalter.
Physiotherapeutische Behandlungsbeispiele II – Constanze Marchlewitz MSc.
Marchlewitz präsentierte einen alltagsnahen, praxisrelevanten Zugang zur physiotherapeutischen Therapieplanung im Jugendalter bei Patient*Innen mit GMFCS III und veranschaulichte diesen durch zahlreiche Videobeispiele. Ihre klare Struktur, ihre Erfahrung aus der Versorgungspraxis und die unmittelbare Umsetzbarkeit ihrer Empfehlungen machten den Beitrag besonders zugänglich.
Rollstuhlversorgung – Julia Heil MSc.
Julia Heil überzeugte mit außergewöhnlicher praxisnaher Expertise. Durch die Vielzahl mitgebrachter Rollstuhlmodelle konnten die Teilnehmer*Innen Unterschiede in Fahrdynamik, Sitzsystemen und Alltagsnutzen direkt selbst testen und vergleichen. Die klare Aufarbeitung funktioneller Zielsetzungen machte den Vortrag zu einem wertvollen Bestandteil der Tagung.
Stehständerversorgung – René Althaus, MSc.
René Althaus präsentierte die Stehständerkonzeption fachlich präzise. Durch mehrere mitgebrachte Testmodelle sowie ein zusätzliches Demonstrationsgerät in der Produktausstellung konnten die Teilnehmer*Innen unterschiedliche Systeme direkt vergleichen und praktisch erleben. Die klare Verbindung zwischen theoretischen Grundlagen und alltagsnaher Anwendung machte den Vortrag besonders gewinnbringend für die Zuhörer.
Yoga & Mentale Gesundheit – Dr. Petra Marsico & Lena Braun MSc.
Braun und Marsico brachten mit ihrem Vortrag wichtige Impulse zu Yoga und insbesondere mentaler Gesundheit als zentralem Bestandteil motorischer Entwicklung und auch Rehabilitation. Interessant ist die Häufigkeit dieses Problems, das in Studien bis zu 75% der Patienten betrifft. Neben allen medizinischen Versorgungsanliegen, Biomechanik und Muskelarbeit darf – gerade in der Versorgung unserer jungen Patient*Innen – die mentale Gesundheit und deren Entwicklung nicht in den Hintergrund geraten.
Neue Technologien in der Kinderreha – Anke Buchmann MSc.
Buchmann bestach durch eine präzise Darstellung innovativer Technologien, robotikgestützter Therapiemöglichkeiten und sensorbasierter Systeme. Der Vortrag enthielt spannende Einblicke in die Reha-Möglichkeiten in der Schweiz und deren Unterschiede zu Österreich und Deutschland.
Generalversammlung und Vorstandswahl
Die Generalversammlung lebte von der regen Beteiligung der Mitglieder, die durch ihre Beiträge und Anträge zur Weiterentwicklung der Vereinigung und des neuroorthopädischen Ansatzes beigetragen haben. Die Vorstands-Neuwahl spiegelte Kontinuität und zugleich Weiterentwicklung der interdisziplinären Ausrichtung wider. Die Positionen wurden wie folgt besetzt:
Präsidentin: Claudia Abel, MSc., PhD-Adv.
Vizepräsidentin: Dr. Eva-Maria Steindl, MSc.
Pastpräsident: Univ. Prof. Dr. Reinald Brunner
1. Kassier: Alexander Drehmann, MSc.
2. Kassier: Sabine Albrecht, MSc.
1. Schriftführer: Winfried Sepin, MSc.
2. Schriftführer: Prof. Dr. Walter Strobl, MBA
Ein weiteres wichtiges Thema war die Organisation der Tagungen im Zusammenhang mit der steigenden Mitgliederzahl. Grundsätzlich ist dies erfreulich, doch stellen sich mit zunehmender Grösse der Gesellschaft organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Der Vorstand wird einen optimalen Kompromiss für die unterschiedlichen Tagungen ausarbeiten.
Kommende Tagungen:
2026 Wien/Speising: Ganganalyse und Orthetik in kleiner praxisorientierter Tagung
2027 Augsburg: Themen noch offen
Danksagung und Ausblick
Die Tagung zeigte erneut die Bedeutung transparenter Kommunikation, gemeinsamen Basiswissens und interprofessioneller Zusammenarbeit.
Die internationale Vereinigung für Neuroorthopädie dankt allen Mitgliedern, Teilnehmern, Vortragenden und Vorsitzenden, den Sponsoren und insbesondere den drei Organisatorinnen Dr. Nina Berger, MSc., Lena Braun, MSc. und Jule Heil, MSc. ohne deren Engagement die Jahrestagung der Vereinigung nicht möglich gewesen wäre.
Wir freuen uns darauf, Sie bei der nächsten Jahrestagung, die am 23. Und 24. Oktober 2026 in Wien-Speising stattfinden wird, willkommen zu heißen!